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Über
Gottschalk Knogers Tochter Agnes, die mit Konrad von Schenna verheiratet war,
fiel nach deren Tod Runkelstein in einem schiedsgerichtlichen Urteil aus dem
Jahre 1341 direkt an ihre Tochter Weirad und nicht an Konrad. Es
vergingen über vier Jahrzehnte bis Runkelstein in die Hände neuer Besitzer
gelangte. Die aus einem alten und wohlhabenden Bürgergeschlecht stammenden
Bozner Brüder Niklaus und Franz Vintler erwarben die Burg 1385. Niklaus war zu
einem bedeutenden Vertrauensmann, Finanzier und vor allem Ratgeber des Tiroler
Landesfürsten Herzog Leopold III. aufgestiegen. Durch den Kauf einer Burg
konnten die Vintler ihr Selbstbewußtsein ausdrücken und sich mittels ihres
Reichtums der adligen Welt nähern. Eine heute nicht mehr vorhandene
Bauinschrift vom Jahre 1388 beschrieb den Umfang der Arbeiten auf Runkelstein:
Burggraben und Vorwerk wurden errichtet, desweiteren eine Zisterne, Säle,
Stuben und
Ab
1407 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Herzog Friedrich mit der leeren
Tasche, der nun die Herrschaft in Tirol angetreten hatte, und dem Tiroler Adel,
der sich im sogenannten Falkenbund gegen ihn zusammengeschlossen hatte. In diese
waren auch die Vintler verwickelt, so daß es zur Belagerung der Vintlerschen
Burgen kam, Niklaus Vintler seine gesamten Pfandleihen verlor und 1413 verarmt
starb. Runkelstein ging an seinen Bruder Franz und seine Schwiegersöhne über,
bis in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Erzherzog Sigmund die Burg in seinen
Besitz brachte. Dieser ließ sich nicht mehr vom Trienter Bischof belehnen,
sondern betrachtete die Burg als sein Eigentum. 1463 bis 1465 stellte er sie dem
Fürstbischof Georg Hack, der aufgrund eines Aufstandes Trient verlassen mußte,
als Wohnsitz zur Verfügung.
Bis
1530 blieb die Burg in landesfürstlichem Besitz und erlebte unter Kaiser
Maximilian I. eine neue Blüte. Er ließ die Burg instandsetzen und richtete
sich im Sommerhaus private Gemächer ein, wobei unter anderem über der Tür zum
Tristan-Zimmer und auf dem Kamin des Garel-Zimmers seine Wappen angebracht
wurden. Besonderes Interesse zeigte Maximilian für die dortigen Fresken, die er
im Stil seiner Zeit restaurieren ließ. Die
Verwaltung der Burg hatten schon unter Sigmund Pfleger übernommen, da der
Burgherr nicht mehr dauerhaft auf Runkelstein ansässig war. Maximilian übertrug
die Burghut 1493 seinem Kanzler Cyprian von Northeim und 1500 dem „Vater der
Landsknechte“ Georg von Frundsberg, die ihrerseits auf Runkelstein
Unterpfleger einsetzten. Unter einem von diesen kam es 1520 zur Explosion der
Pulverkammer im Erdgeschoß des Bergfrieds. Hierbei wurden, außer dem Bergfried
selbst, Teile der Ringmauer und des Ostpalas stark beschädigt; der Unterpfleger
wurde unter den Trümmern begraben. Trotz zahlreicher Konflikte mit der landesfürstlichen
Regiments- und Raitkammer, die auf
Unter
den Liechtensteinern setzte jedoch auch der Verfall Runkelsteins ein. 1672 kam
es zu einer großen Brandkatastrophe, bei der der Ostpalas stark beschädigt und
bis zur Restaurierung Friedrichs von Schmidt in den achtziger Jahren des 19.
Jahrhunderts nicht wiederhergestellt wurde. Der letzte Liechtenstein-Kastelkorn,
Graf Franz Anton, verzichtete 1759 auf das Lehen, womit Runkelstein in die
unmittelbare Verwaltung des Hochstifts Trient überging, das es als bloßen
Gutshof nutzte.
Im
19. Jahrhundert begeisterten sich die deutschen Romantiker, allen voran Josef Görres
und der Künstlerkreis um Ludwig I. von Bayern, für die Burg, die zu einem
herausragenden Symbol dieser Epoche wurde. Infolge des Straßenbaus entlang der
Talfer, bei dem ein Stück des Felsens weggesprengt wurde, stürzte 1868 die
Nordwand des Sommerhauses ab, was zum Verlust großer Teile der dort vorhandenen
Freskenzyklen führte. 1880
kaufte Erzherzog Johann Salvator Runkelstein dem Hochstift Trient ab und machte
es 1882 Kaiser Franz Joseph zum Geschenk, der die Burganlage in den achtziger
Jahren des 19. Jahrhunderts durch den Wiener Oberbaurat Friedrich von Schmidt
sanieren ließ. Auf diesen gehen der neuerbaute Turm und der Ostpalas in seiner
heutigen Gestalt zurück. Im Jahre 1893 schenkte Kaiser Franz Joseph den Bozner Bürgern feierlich die Burg. Runkelstein gehörte nun, wie einst zu Zeiten der Vintler, den Boznern: ein Kreis in der abenteuerlichen Geschichte der ”Bilderburg” hatte sich geschlossen.
Ein
neuer Kreis öffnete sich mit den von Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts
bis in den April
des Jahres 2000 auf Runkelstein durchgeführten Restaurierungsarbeiten, die den
Auftakt zu einem neuen Abschnitt in der Geschichte der Burg darstellen: eine
neue Erweckung von Runkelstein mit der Sonderausstellung ”Schloß
Runkelstein
– Die
Bilderburg”.
"Niemand"
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